Balearen im Spanien-Lexikon

Auf den Balearen leben rund 1 Million Menschen. Dies entspricht rund 2 Prozent der gesamten spanischen Bevölkerung. Allein fast 80 Prozent der auf den Balearen lebenden Menschen sind dabei auf der Insel Mallorca zu Hause, der mit Abstand größten Insel des Archipels. Im Gegensatz zum spanischen Festland sind die Balearen dabei sehr dicht besiedelt. – 82 Einwohner leben dabei auf einem Quadratkilometer. Dies ist auch im Vergleich zur gesamten Europäischen Union beachtlich, wo die durchschnittliche Bevölkerungsdichte bei 119 Einwohnern je Quadratkilometer liegt.

Auf den Balearen leben etwas mehr als 15 Prozent Ausländer. Zahlreiche der auf den Balearen lebenden Ausländer sind dabei Deutsche. Rund 26.000 Deutsche sind dort offiziell gemeldet. Als Zweitwohnsitz nutzen hingegen rund 60.000 Deutsche die Balearen als Zufluchtsort. Briten stellen mit rund 17.000 aber auch einen beachtlichen Anteil. Die Zahlen schwanken sehr. Tatsache ist aber, dass rund 80.000 Immobilien auf den Balearen Deutschen gehören, die dort entweder selbst wohnen, oder aber diese vermieten.

Die auf den Balearen lebenden Deutsche sind zum großen Teil Rentner und älter als 55 Jahre. Es gibt aber auch viele Deutsche jüngeren Semesters, die sich hier eine neue Existenz aufgebaut haben. Dabei sprechen zahlreiche Deutsche und auch andere Ausländer, die dauerhaft auf den Balearen leben weder Spanisch, noch Katalanisch. Man spricht eben auch sehr viel Deutsch auf den Balearen. Der Grund dafür ist, dass man Mallorca auch als das 17. Bundesland von Deutschland (früher das 10. Bundesland) nannte. – Die Tourismusbranche auf Mallorca hat sich dabei auch voll auf deutsche und auch auf britische Touristen eingestellt.

Die Balearen - und was nach den Vandalen kam

Nachdem die Römer die Balearen nach 588 Jahren der Herrschaft und des kulturellen Einflusses verlassen hatte und das Feld für die Vandalen frei machten, die die Balearen jedoch nur ausbeuteten, kulturell aber auf den Balearen keine Spuren hinterlassen haben. Während sich die Römer auf den Balearen mit der einheimischen Bevölkerung auch vermischten, war dies bei den Vandalen nicht so. Nachdem die Vandalen durch die Byzantiner vertrieben wurden, gehörten die Balearen fortan zum Byzantinischen Reich, dabei zunächst zur Provinz Sardinien, dann zu Mauretanien. Ihre Lage – am westlichen Rand des Reiches - garantierte den Balearen dabei eine gewisse Unabhängigkeit und Eigenständigkeit. Als das Byzantinische Reich dabei von außen immer weiteren Bedrohungen ausgesetzt war, verstärkte sich das Ganze noch mehr. Unter der Herrschaft des Byzantinischen Reichs konnte der katholische Glaube der Insulaner wieder frei ausgelebt werden. Die Balearen wurden dabei im 7. Jahrhundert für Christen zum Zufluchtsort, nachdem der Islam immer weiter im Mittelmeerraum vordrang. Aber es dauerte dann nicht mehr lange, bis die ersten arabischen Eroberer auf die Inseln kamen. Von Byzanz unabhängig wurden die Balearen dabei in der Mitte des 8. Jahrhunderts. Das Frankenreich übte dabei aber von 754 bis 798 eine Art Schutzherrschaft über die Balearen aus. Später wurden die Balearen durch den Graf von Apulien, einem Gefolgsmann von König Bernhard von Italien (einem Enkel von Kaiser von Karl des Großen) vor den Beutezügen der Araber beschützt. Daraus resultierte ein Nichtangriffspakt zwischen Muslimen und den Balearen, der jedoch von den Mallorquiner nicht eingehalten wurde – sie forderten die Unabhängigkeit der Balearen.

Was man über die Balearen wissen sollte als Tourist

Eine Flugreise von Deutschland aus auf die Balearen dauert nur gut zwei, bis zweieinhalb Stunden. Internationale Flughäfen gibt es auf den Balearen drei, in Palma de Mallorca, in Mahon und auf Ibiza. Von Deutschland aus fliegen täglich zahlreiche Maschinen Richtung Balearen. In den Sommermonaten werden vermehrt Flüge angeboten. Erreichen kann man die Balearen aber auch per Schiff. Von Valencia / Spanien aus fahren gehen Schiffverbindungen hin zu verschiedenen Häfen auf den Balearen. Auch ein reger Schiffsverkehr herrscht auch zwischen den Inseln des Archipels. Will man in einem Land Urlaub machen, so möchte man natürlich auch etwas über das dortige Klima erfahren: Auf den Balearen herrscht ein gemäßigtes Mittelmeerklima. Die Winter sind auf den Balearen mild, die Sommer nicht gar zu heiß. Verhindert wird dies durch die kräftigen Seebrisen, die ein Ansteigen der Temperaturen ins Unerträgliche verhindern. Im Sommer liegen die Temperaturen bei 28 bis 33 °C, im Winter bei 13 bis 18 °C. – Im Sommer also ideale Bedingungen für einen Badeurlaub. In den Restaurants Trinkgeld geben ist Sitte. Wie viel Trinkgeld man dabei gibt, liegt ganz im Ermessen des Gastes. Üblich sind 5% bis 10% der Rechnung – was für Bars und auch Restaurants gilt. Bars, Pubs und Discos sind dabei bis in die Morgenstunden geöffnet zum Teil. Die Geschäfte haben üblicherweise von 9.30 Uhr bis 13.30 Uhr und dann noch einmal von 17.00 Uhr bis 20.00 Uhr geöffnet. Krankenhäuser gibt es auf Mallorca, auf Ibiza und auf Menorca. Auf den Balearen gibt es einige deutschsprachige Ärzte. Auch der Gesundheitstourismus floriert auf den Balearen.

Die Balearen unter arabischer Herrschaft

Aus der Zeit der Herrschaft der Byzantiner auf den Balearen ist nur sehr wenig bekannt. 711 kamen dann die Mauren nach Spanien. Die maurische Herrschaft dauert dabei vom 8. bis zum 13. Jahrhundert. Aber bereits einige Jahre zuvor waren die Mauren auf den Balearen gelandet. 711 wurde aber die Insel Ibiza erstmals von den Mauren erobert. Bis die Mauren aber auf Ibiza Fuß fassen konnten, dauerte bis zum Anfang des 10. Jahrhunderts. Ein Grund dafür war, dass insbesondere Ibiza 859 einem Raubzug der Wikinger regelrecht zum Opfer fiel. Las Islas Orientales de Al-Andalus - Inseln östlich von Andalusien – nannten die Mauren dabei die Balearen. Unter den Mauren gehörten dabei zum Kalifat von Córdoba. Mit der sich an der Küste befindlichen Stadt Denia wurden die Balearen im Jahr 1009 ein unabhängiges Königreich. Zur gleichen Zeit etwa nahmen auch die Überfälle durch arabische Piraten zu. Diese operierten vor allem von Menorca und Mallorca aus. Eine pisanisch-katalanische Strafexpedition wurde im Jahr 1114 auf den Balearen gestartet. Fast völlig zerstört wurde dabei Palma de Mallorca. Nicht desto trotz konnte sich die islamische Herrschaft sich aber noch bis ins 13. Jahrhundert lang halten. Die katalanische Eroberung begann ab dem Jahr 1229 unter Jakob I., der Eroberer. 1256 rief Jakob II. das Königreich Mallorca aus. Hierzu gehörte neben den Balearen auch Montpellier und Roussillon. Nachdem Jakob III. von Peter IV. von Aragon getötet wurde im Jahr 1349 fiel das Königreich Mallorca an die Aragonische Krone zurück. Im Jahr 1492 fiel mit Granada auch die letzte Bastion der Mauren in Spanien.

Die Balearen und die Römer

123 v. Chr. kamen die Römer auf die Balearen – angeführt von Quintus Caecillius Metellus, genannt Balearicus. Durch zahlreiche Siedler wurden auf den Balearen viele Städte gegründet, die unter den Römern eine Blütezeit erlebten. Hierzu gehören unter anderem Palma und Pollentia auf der Insel Mallorca, sowie auch die Häfen Portus Salarius (heute La Savina) auf Formentera und Portus Magnus (heute Sant Antoni de Portmany). Und auch die Infrastruktur – zum Beispiel von Ibiza – wurde unter den Römern ausgebaut. Die Römer sind dabei auch für zahlreiche Bauten verantwortlich und brachten auf die Balearen auch Dinge, wie Straßen, Brücken und letztlich auch Wasserleitungen und Abwasserleitungen. Auch zahlreiche der sich auf den Balearen befindlichen Befestigungsanlagen stammen aus der Zeit der Römer. Die Nachbarinsel von Ibiza, Formentera, wurde indes über lange Zeit hinweg wegen ihres fruchtbaren Bodens zur Kornkammer Roms. Dabei soll der Eroberungsfeldzug der Römer nicht ohne Gegenwehr stattgefunden haben, wie Historiker zu berichten wissen. Mit Steinschleudern sollen die Römer von den Einwohnern der Inseln, die sich letztlich jedoch ergeben mussten, empfangen worden sein. Ab dem Jahr 380 n. Chr. wurde das Christentum Staatsreligion im Reich der Römer. Da römische Kolonie, wurden auch die Menschen auf Ibiza und auf den anderen Inseln der Balearen christianisiert. Theodosius erließ dabei im Jahr 391 gar ein Verbot der heidnischen Kulte. Aber nur wenige Jahre später zerbrach das Gesamtrömische Reich in das Ost- und Westreich. Das Ostreich war dabei das Byzantinische Reich, das 533/534 über den oströmischen Feldherrn Belisar die Vandalen vertrieb von Ibiza, wodurch Ibiza unter die Oberherrschaft von Byzanz kam.

Geschichte des Königreich Mallorca

Jakob II., der Weise (1243-1311), Sohn von Yolanda von Ungarn und damit ein Enkel von Andreas II. von Ungarn, sowie Sohn von Jakob I. aus dem Hause Aragón, gründete 1276 das Königreich Mallorca und war dessen König bis zu seinem Tod. Sancho I., sein Sohn, folgte ihm auf dem Thorn und war von 1311 bis 1324 König von Mallorca. Sein Neffe Jakob III. wurde dessen Nachfolger. Mit ihm endete auch 1344, bzw. 1349 die Geschichte des unabhängigen Königreich Mallorca. Das Königreich Mallorca umfasste neben den Balearischen Inseln auch Teile von Nordkatalonien und auch die Stadt Montpellier. Noch 1229 hatte die Hauptinsel der Balearen, Mallorca, einen islamischen Herrscher – Abu Yahia. Die Balearen jedoch gehörten offiziell damals zum Königreich Aragón und Jakob II., der Weise erbte dieses Land als jüngerer Bruder von Peter III. die Balearischen Inseln, sowie die katalanischen Grafschaften Rosselló, Cerdanya und auch die Stadt Montpellier. Peter III. und auch dessen Nachfolgern war die Abtrennung dieser Gegenden vom Königreich Aragón ein Dorn im Auge. Jakob II. führte Mallorca jedoch zu einer Blüte sondergleichen und merzte auch die Piraterie vorübergehend aus. Peter IV. von Aragón landete im Jahr 1344 auf den Balearen und führte diese wieder dem Königreich Aragón zu. Der damals regierende König von Mallorca, Jakob III, floh, kehrte 1349 wieder zurück um mit einigen Truppen zu versuchen die Balearen wieder zurückzuerobern. Entscheidend war die Schlacht von Llucmajor, in der Jakob III. fiel. Die Balearen und Rosselló wurden endgültig wieder Teil des Königreich Aragón, Montpellier wurde dabei bereits schon vorher – zu Finanzierungszwecken der Rückeroberung Mallorcas - von Jakob III. an Frankreich verkauft.

Balearische Geschichte Formenteras ab dem 16. Jahrhundert

Die Geschichte Formenteras ist - wie auch die der anderen Baleareninseln – geprägt von zahlreichen Herrschaften, die ihre Spuren hier hinterlassen haben. Bevölkert sein muss Formentera dabei bereits 2000 Jahre vor unserer Zeitrechnung her gewesen sein. Merkwürdig ist jedoch, dass Formentera zur phönizischen und punischen Zeit überhaupt nicht bewohnt war. – Hingegen zur römischen Zeit, die die Insel durchlebte, letzten auf Formentera zahlreiche Menschen. Aufgrund der ständigen Piratenangriffe, die es im 16. Jahrhundert auf die Insel gab, wurde die Insel regelrecht jedoch entvölkert. Erst 200 Jahre später wurde Formentera von Ibiza aus aber dann wieder bevölkert. Aber auch im 18. Jahrhundert war es auf den Balearen keineswegs ruhig. Im Jahr 1708 wurde Maó durch die Briten erobert. Mit dem Frieden von Utrecht im Jahr 1713 wurde dann der spanische Erbfolgekrieg beendet. Menorca wurde dabei den Briten zugesprochen. 1783 mussten diese aber Menorca wieder den Spaniern zurückgeben. Britisch besetzt jedoch blieb Menorca bis 1802 noch. Bereits 133 wurde die autonome Provinz der Balearischen Insel gegründet. Aufgrund der katalanischen Mentalität und deren Kulturbewusstsein gab es dann schließlich Ende des 19. Jahrhunderts Ansätze dafür, dass regionale Unabhängigkeitsbestrebungen von Spanien aufkamen. Diese konnten jedoch nicht durchgesetzt werden. Für die Balearen wurde stattdessen im Jahr 1931 ein Autonomiestatus vorgesehen. Diesen erhielten die Balearen jedoch erst nach dem Ende des Franco-Regimes. – Der große Tag, an dem das Autonomiestatut für die Balearen in Kraft trat, war der 1. März 1983. Der 1. März ist seither auf den Balearen Feiertag – der Dia de les Illes Balears, der auf allen Inseln gefeiert wird.

Ibizas bewegte Geschichte – die Anfänge und die Phönizier

Ibiza gehört zu den Pityusen. Über die Ureinwohner der Pityusen ist dabei nur wenig bekannt. Es wird von den Historikern aber davon ausgegangen, dass sich die Entwicklung wie auf den Nachbarinseln Mallorca und Menorca abgelaufen ist. Ebenso unklar ist, ob die Talayotkultur sich auf Ibiza zwischen 2000 und 1600 v. Chr genauso entwickelte, denn weder auf Ibiza noch auf Formentera fand man Reste von deren Baukunst in Form von Steintürmen, die als Kultstätte, wie auch als Wachturm dienten. Hinweise finden sich aber auch Formentera in Form der Höhlenmalereien in Ses Fontenelles bei Sant Antoni, wie auch durch die Megalithen von Ca Na Costa. Als erste Siedler kamen vermutlich iberische Hirtenvölker auf die Insel und besiedelten sie. Deutliche Spuren hingegen hinterlassen auf Ibiza haben die Phönizier, die auf Ibiza vom 7. bis 2. Jahrhundert v. Chr. hier anwesend waren. Die erste Kolonie durch die phönizischen Karthager wurde im Jahr 654 v. Chr. gegründet. Die Phönizier nannten dabei die Insel „Insel des Wohlgeruchs“, bzw. „Duftinsel“. Bereits unter den Phönizier erhielt die Stadt Ibiza das Münzrecht und wurde zu einem wichtigen Handelshafen. Die Phönizier beuteten die Insel dabei regelrecht aus. – Salz und Blei waren dabei begehrte Handelswaren. Die Phönizier bauten auch die Nekropole Puig des Molins, eine sehr bedeutsame phönizische Begräbnisstätte. Eine weitere Hinterlassenschaft der Phönizier ist der Grottentempel Es Culleram in der Nähe von Sant Vicent de sa Cala, der 1907 entdeckt wurde. Geweiht ist dieser der Göttin Tanit. Die Balearen an sich streitig machen wollte die Punier gegenüber den Phönizier. Es gab Punische Kriege.

Mallorcas bewegte Geschichte – Die Anfänge

Seit dem Ende der Franco-Diktatur 1975 hat sich auf Mallorca eigentlich nichts mehr großartiges ereignet, was weltbewegend war. Früher war Mallorca, bzw. die gesamten Balearen regelrecht unter den Nationen heiß umkämpft. Der Grund war ihre zentrale Lage im westlichen Mittelmeer. Das Meer war dabei der wichtigste Kommunikationsweg und die Inseln sehr wichtige Stützpunkte. Die ersten Menschen, die Mallorca dabei besiedelten, waren dabei auch Völker aus dem Mittelmeerraum. Die Balearen wurden dabei schätzungsweise 4.000 Jahre vor Beginn unsere Zeitrechnung von Südfrankreich und von er Iberischen Halbinsel aus besiedelt. Gewohnt haben die ersten Menschen, die auf den Balearen ankamen über das Meer dabei in Höhlen an den Küsten – auch an denen von Mallorca. Einige Historiker sind dabei sogar der Ansicht, dass die Besiedlung der Insel Mallorca bereits schon früher einsetzte, und zwar schätzungsweise schon ab etwa 6.500 v. Chr. Durch Funde belegt ist diese Vermutung jedoch nicht. Die ältesten Funde deuten eher auf eine Besiedlung der Balearen in der Zeit ab 4000 bis 2000 v. Chr. hin. Mit die ältesten Zeugnisse menschlicher Existenz auf Mallorca sind die Zyklopen-Bauten Mallorcas, die Talayots. Der Zweck dieser Bauten ist bis heute ungeklärt. Vermutet wird, dass diese Bauten als Verteidigungs- oder Beobachtungstürme dienten, aber auch Begräbnisstätten, oder Wohnräume des Stammesoberhauptes sind denkbar. In den drei punischen Kriegen kämpften balearische Söldner Seite an Seite mit den Karthager. Es handelte sich dabei um die berühmten Steinschleuderer, die Els Foners Balears. Diese waren wegen ihrer Kampftechnik sehr bekannt. Hiervon leitete sich letztlich auch der Name der Inselgruppe – Balearen – ab.


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